Schimmel im Haus: Wie er entsteht und wie man dagegen vorgeht

In der Natur sind Schimmelpilze wichtig und nützlich. In Haus oder Wohnung sind die hartnäckigen Mikroorganismen hingegen ungebetene Gäste. Hier kann Schimmelbefall zur Gesundheitsgefahr für die Bewohner bzw. Nutzer werden. Ursache für die Ausbreitung von Schimmel in Immobilien ist stets eine überdurchschnittliche Feuchte. Dass dies eher selten mit dem Lüftungsverhalten zu tun hat, sondern häufig baulich bedingt ist, wissen Wenige. Bausachverständige ermitteln den Schaden durch Schimmel und haben Lösungen für dessen dauerhafte Beseitigung parat.

Warum machen Schimmelpilze krank?

Aspergillus flavus ist einer von ihnen. Dieser Schimmelpilz-Vertreter soll sich in der Grabkammer des ägyptischen Pharaos Tutanchamun pudelwohl gefühlt haben. Als Archäologen die Jahrtausende geschlossenen Räume öffneten, bekamen einige gesundheitliche Probleme oder starben später gar. Für den vermeintlichen „Fluch des Pharao“ machten Experten schließlich den toxisch wirkenden Schimmelpilz aus. Diese heterogene Gruppe von Pilzen – umgangssprachlich Schimmel – kann die Atemwege reizen, allergische Reaktionen oder Rheuma hervorrufen. Sie bilden charakteristische Sporen und sind anhand dunkler Flecken erkennbar. Diese sind oft hinter Schränken zu entdecken, weil hier wenig Luft zirkuliert. Auch an Fensterrahmen siedeln sich Schimmelpilze mit Vorliebe an.

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Schwarzer Schimmelpilz (Quelle: Shutterstock)

Die Gesundheitsgefahren durch Schimmel in Haus oder Wohnung dürfen nicht dramatisiert werden. Nicht selten sollen sie eine Sanierung der Immobilie erzwingen und werden instrumentalisiert. Eine Analyse der Raumluft schafft Klarheit, ob bestehende Symptome tatsächlich durch Schimmelpilze ausgelöst werden. Dennoch gibt es keinen Zweifel, dass Pilzsporen ein erhebliches Risiko darstellen. Ältere, Allergiker oder Kleinkinder reagieren sensibler auf Schimmel als kerngesunde Erwachsene.

Toxische Wirkungen wie im Grabkammer-Fall – hervorgerufen durch die von den Pilzen gebildeten Giftstoffe (Mykotoxine) – sind in normal genutzten Innenräumen höchst selten zu erwarten. Dafür sind die Konzentrationen zu niedrig. Allergien sind häufiger ein Thema. Sie werden durch die Inhalation der Schimmelpilzsporen bzw. über Hautkontakt ausgelöst und können je nach Pilzart entsprechende Abwehrreaktionen des menschlichen Immunsystems nach sich ziehen. Treten diese ganzjährig auf, ist ein mikrobieller Befall der Immobilie denkbar.

Wie kommt es zur Schimmelbildung im Haus?

Die Ursache für die Entstehung von Schimmel ist mit zwei Worten umrissen: erhöhte Feuchtigkeit. Schimmelpilze finden bei hoher Luftfeuchte – gemessen direkt über der Wandoberfläche – und dem Vorhandensein von Nährstoffen – oft reicht der Hausstaub aus – ideale Wachstumsbedingungen. Ein sichtbares Indiz für Nässe im Innenraum ist die Bildung von Kondenswasser an Fenstern und Ecken. In den allermeisten Fällen kommt der Schimmel versteckt daher. Unter Fußbodenbelägen, hinter Wandverkleidungen und Tapeten (v. a. Raufaser) sowie in Dämmstoffen lässt er sich nieder. Indizien für die Existenz der Pilze sind dann ein modriger Geruch in den Räumen oder eben gesundheitliche Beschwerden der Nutzer.

Doch woher kommt diese überdurchschnittliche Feuchtigkeit im Haus? Der Laie hat schnell eine Antwort parat: durch falsches Lüften und Heizen. Eine aktuelle Studie räumt mit diesem Halbwissen jedoch teilweise auf. Bei der Untersuchung von über 12.000 Wohnungen war in nur zehn Prozent der Fälle das Nutzungsverhalten der Bewohner die alleinige Ursache für Schimmelpilzbefall. Weitaus häufiger waren bauliche Gegebenheiten das Problem. Bauschäden oder eine unzureichende Wärmedämmung konnten in der Mehrzahl der Fälle als Auslöser für eine erhöhte Raumfeuchte ausgemacht werden. Manchmal sorgt auch die Kombination aus baulichen Mängeln und einer fehlerhaften Lüftungs-Praxis für die Bildung von Schimmelpilzen. Baurelevante Ursachen für Schimmelbefall können in drei Komplexe unterschieden werden:

  • Feuchtigkeit durch Bauschäden: Eindringen von Wasser über Leckagen oder undichte Stellen (z. B. durch undichte Anschlüsse, fehlerhafte Bauwerksabdichtung in Keller bzw. Dach, Feuchtigkeitsschäden im Mauerwerk, Havarien wie geplatzte Rohre, Hochwasser),
  • Kondensationsbildung auf Wandoberflächen durch schlechte Wärmedämmung,
  • Existenz von punktuellen Wärmebrücken (z. B. Fenster, Türen, Außenecken, Balkone)

Warum ist Schimmelbefall eine Aufgabe für Experten?

Wird sprießender Schimmel festgestellt, sollten zügig Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Selbst kann man gegen Schimmelpilze nur wenig ausrichten – der sowieso ungeeignete Essig darf im Schrank bleiben. Nur kleine, oberflächliche Schimmelflecken sind leicht mit Hausmitteln wie etwas Ethylalkohol zu entfernen. Das setzt jedoch Zweierlei voraus: der schwarze Schimmel muss sichtbar und die Ursache für dessen Bildung geklärt sein. In vielen Fällen trifft beides nicht zu. Dann müssen erfahrene Gutachter zur Diagnose zu herangezogen werden. Fakt ist: Wenn die Gründe für den mikrobiellen Befall nicht eindeutig geklärt sind, wird der Schimmelpilz auf Dauer nicht verschwinden.

Hat der Schimmel mehr als einen halben Quadratmeter Fläche belegt, wird ohnehin empfohlen einen Fachmann ins Haus zu holen. Oft hat sich der Pilz dann schon so tief in den porösen Wandputz gefressen, dass er selbst mit potenten Chemikalien schwierig zu entfernen ist. In Verdachtsfällen – wenn kein Pilzbefall zu sehen ist – misst der Bausachverständige zunächst die Raum- sowie Materialfeuchte. Mit einem Infrarotscanner stellt er gefährdete Bereiche fest, durch Thermografie kommt er Wärmebrücken auf die Spur. Die komplexen Untersuchungen beschränken sich nicht auf raumklimatische und bauphysikalische Aspekte. Oft gehört auch die mikrobiologische Bestimmung der Schimmelpilzart dazu, um das Gesundheitsrisiko einzugrenzen.

Nach einer positiven Diagnose muss nicht sofort schweres Geschütz aufgeboten werden. Manchmal reicht es in der Tat aus, wenn der Bewohner sein Lüftungsverhalten ändert. In größeren Objekten schafft möglicherweise die Installation einer Lüftungsanlage Abhilfe. Der Einsatz wirksamer aber nicht ungefährlicher chemischer Substanzen sollte unbedingt Fachleuten überlassen werden. Kommen die Schimmelflecken großflächig wieder zum Vorschein oder bessert sich die Gesundheit mittelfristig nicht, dann muss nach gründlicher Abwägung der Wandputz ab und bspw. die Wärmedämmung verbessert werden. Eine Schimmelsanierung ist aufwändig und kostet viel Geld.

Wie kann man Schimmel in Haus oder Wohnung vermeiden kann

Prävention ist auch in Sachen Schimmel das Zauberwort. Die Vorbeugung eines Schimmelbefalls in Immobilien zielt erwartungsgemäß auf die Vermeidung der genannten Ursachen. Nicht weniger wichtig sind die präventiven Maßnahmen nach einer erfolgten Schimmelpilzsanierung. So mancher Hausbesitzer kann ein Lied davon singen. Immobiliensachverständige empfehlen sowohl baulich-energetische Vorhaben als auch ein Nutzerverhalten im Sinne eines gesunden Raumklimas, um Schimmelbildung zu vermeiden:

  • fachgerechte (Außen-)dämmung des Objekts,
  • nachträgliche Wärmedämmung eines bestimmten Bauteils (z. B. Fenster),
  • Einsatz desinfizierend wirkender Beschichtungen auf Oberflächen,
  • richtiges Lüften und Heizen.

Der regelmäßige Austausch der Raumluft durch Lüften ist eine Maßnahme, die jeder selbst in die Hand nehmen kann. Energie-Fachberater informieren über wirksame Praktiken. Gerade in der Heizperiode ist das trotz aller Unannehmlichkeit wichtig, denn im Winter sprießen die Schimmelpilze durch das seltenere und kürzere Durchlüften besonders. In neu errichteten Gebäuden ist das häufige Lüften entscheidend, um das typische Problem der Neubaufeuchte in den Griff zu bekommen. Ziel ist es, die Entstehung von Schimmelpilzen auf Dauer zu unterbinden.

Fazit: Bei Schimmelpilzen müssen Profis ran

Schimmel in Haus oder Wohnung ist ein ernstzunehmendes Problem. Die Mikroorganismen sprießen, wenn eine erhöhte Raumfeuchte besteht. Als Ursache kommen überwiegend bauliche Mängel der Immobilie in Betracht, seltener das Nutzerverhalten. Viele Arten können Gesundheitsbeschwerden auslösen, die bei Risikogruppen auch stark ausfallen. Daher sollte ein Schimmelbefall rasch angegangen werden. Nur kleine Schimmelflecken kann man selbst entfernen. In den meisten Fällen ist das Problem größer und unsichtbar. Die Diagnose und dauerhafte Beseitigung der Schimmelpilze muss in professionelle Hände. Immobilienexperten beraten auch